Kolumne: No Poo das Selbstexperiment

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Schon ewig wollte ich dieses Experiment wagen und war völlig aus dem Häuschen, als es endlich soweit war. Seit meiner letzten Haarwäsche mit herkömmlichen Shampoo sind nun gut 2 Monate vergangen und in diesem Artikel möchte ich dich mit auf die Reise meines No Poo Journeys nehmen. Viel Spaß beim Lesen und selber ausprobieren! :-)

 

No Poo - was ist das eigentlich und wie bin ich da darauf gekommen?

Die Erklärung ist ganz einfach. No Poo bedeutet, dass man seine Haare nicht mehr mit herkömmlichen Shampoo wäscht, sondern mit entweder ausschließlich mit Wasser (No Poo - Water Only) oder mit alternativen natürlichen Shampoo-Ersatz, wie (Apfel)Essig, Roggenmehl, Kaffee, Kastanien, Heilerde / Lavaerde oder Naturseifen. Wichtig hierbei ist nur, dass es dein Shampoo auf jegliche Chemie verzichtet und darüber hinaus auch plastikfrei ist.

Warum in Gottes Namen sollte man es sich aber antun auf Shampoo zu verzichten? Das ist doch total unhygienisch?!! Tja, eigentlich ist die Frage doch eher, warum sollte man dutzende Haarprodukte benutzen? Schließlich geht die Benutzung von herkömmlichen Shampoos, Spülungen und was man sonst so alles braucht, mit einem hohen Plastikverbrauch einher, enthält viel zu viele Inhaltsstoffe, wovon man auch nur die Hälfte versteht und wirken total kontraproduktiv. Genau du hast richtig gehört und ich erkläre es dir mal so: deine Haare werden fettig, also wäscht du sie um den Talg auszuwaschen. Dazu werden die Haare relativ stark ausgetrocknet. Also, verwenden wir noch mehr Produkte, wie Spülung, Haarkuren und Haaröle, damit sie wieder mehr Feuchtigkeit bekommen. Das erhöht unseren Müllverbrauch, Substanzen im Abwasser und auch deine Ausgaben.

Fangen wir aber mal ganz von Vorne an:

Die Geschichte des Shampoos

Ich möchte dir gerne eine Sache verdeutlichen und zwar warum wir überhaupt Shampoos benutzen. Heutzutage sind Haarpflegeprodukte nicht mehr wegzudenken, aber so war es nicht immer. Bis zum 20. Jahrhunderts wusch man seine Haare für gewöhnlich mit Wasser. Seife war die Ausnahme, weil diese in den Augen brannte und das Haar glanzlos und stumpf machte. Daher wurde nach einer Haarwäsche mit Seife meist mit Essig nachgespült, was als die saure Rinse bekannt ist.

Im 19. Jahrhundert kochten englische Friseure das erste flüssige Shampoo aus Seifenflocken und versetzen es mit Kräutern und duftenden Ölen. Vorreiter des Shampoo-Marktes war dann Schwarzkopf, die um 1903 zunächst Shampoo in Pulverform anboten und 1927 dann das erste Flüssigwaschmittel entwickelten. Bestimmt ein Grund, warum mein Papa bis heute am liebsten Schwarzkopf verwendet. Am liebsten auf Vorrat.

Der Umstieg von Pulvershampoo auf Flüssigshampoo erfolgte jedoch erst in den 60ern, weil die Entwicklung von hautverträglichen Produkten noch so lange andauerte. Ist es nicht verrückt schnell Shampoo zur Normalität wurde und wir gar nicht mehr auf dem Schirm haben, dass unsere Großeltern und vielleicht noch Eltern Shampoo erst für sich entdecken mussten?

Meine Geschichte

Nun war ich auf der Suche nach einer nachhaltigen Alternative und weil ich schon vor Wochen auf natürliche Kosmetik, bestehend aus Wasser und Pflanzenölen, umgestellt haben, war es ein logischer Schritt auch die Haarpflege so natürlich wie möglich zu gestalten. Allerdings habe ich das nicht radikal von einen Tag auf den anderen gemacht, sondern Schritt für Schritt. Zunächst wollte ich meine Haare von der Chemie entwöhnen, ohne es direkt zu stressen, indem ich sie nur noch mit Wasser oder gar nicht wusch. Nach der Umgewöhnungsphase ging es dann ans Eingemachte: einen Monat Noo Poo - Water Only zur Entgiftung meiner Haare und dann die anschließende Umstellung auf Naturkosmetik. Warum ich das ganze so aufwendig gemacht und nicht einfach so Naturkosmetik verwendet habe? Ganz einfach: ich wollte die Chemie aus meinen Haaren bekommen und zwar komplett.

Die Umgewöhnungsphase

Du hast noch Shampoo-Reste, dann brauche sie auf oder verschenke sie. Meinen Einstieg in die natürlich Haarpflege habe ich mit Haarseife gemacht. Dabei habe ich die Abstände zwischen den Haarwäschen Schritt für Schritt verlängert und die Haarwäsche auf freie Tage verlegt, damit ich eventuell mal einen Tag entspannt Zuhause mit etwas fettigeren Haaren rumlaufen konnte. Wenn du dich mit Freunden triffst oder ausgehst, dann finde ich Flechtfrisuren oder einen Dutt sehr praktisch. Für die Vorbereitung habe ich mir einen Monat gegönnt, damit ich meine im Anschluss eine weitere einmonatige Entgiftungskur gönnen konnte.

No Poo Water Only - Die Entgiftungskur für deine Haare

War seltsam, aber weniger Schlimm als erwartet. Es gab Tage an denen ich dachte: “Oh Gott, das muss doch jedem auffallen” oder “Ohne, fühlen sich meine Haare talgig an.” Ich konnte meine Haare Überkopf kämmen und sie blieben akkurat genauso stehen. Verrückt, dass man für solche Frisuren sonst Kilogrammweise Haarspray braucht. Wäre doch mal ein super Tipp die Haare stattdessen mal eine Zeit nicht zu waschen.

Für das Gefühl und weil ich Sport treibe, habe ich nicht die online empfohlenen 9 Tage ohne Haarwäsche durchgehalten, sondern zwischendurch meine Haare mit Wasser gewaschen, aber lies selbst:

Die erste Woche

Da ich mich Schritt für Schritt an die Umstellung gewöhnt hatte, waren meine Haare nach einer Woche nicht mehr so extrem fettig, als sie bei einer radikaleren Umstellung wären. Neu war allerdings die Erfahrung sie nicht wie gewöhnlich jeden Mittwoch mit Seife zu waschen und sie eventuell mit Apfelessig zu rinsen, sondern meine Haare komplett mit Wasser zu waschen. Dabei habe ich ganz nach Anleitung ordentlich durchgewaschen und dabei meine Kopfhaut wie empfohlen massiert. Es war etwas schwierig sie von allen Seiten gründlich zu waschen und das Ergebnis fand ich eher unbefriedigend. Für das Gefühl okay, aber hätte ich mir auch sparen können. Ansonsten gab es in der ersten Woche wenig spektakuläres zu erzählen.

Die zweite Woche

Mittwoch, Donnerstag und Freitag sind meine gewöhnlichen Arbeitstage. Meine Haare waren nach der Wäsche extrem schwer und talgig, d.h. ich konnte meinen Zopf in sämtliche Richtungen bewegen und er blieb einfach genau dort stehen. Im Dutt oder in einer Flechtfrisur sahen sie zum Glück aber nicht ganz so dreckig aus, wie ich befürchtet hatte. Am Freitag dann bekam ich einen gut gemeinten Ratschlag von meinem Freund: “Schatz, du hast da überall so weiße Schuppen. Ich glaube du solltest dir mal die Haare waschen, mhm?” Dazu muss ich sagen, dass ich ihn nicht in mein Experiment eingeweiht habe und er lediglich wußte, dass ich meine nächste Haarwäsche etwas hinauszögern wollte. Im Internet und bei vielen Dokus auf YouTube hatte ich schon davon gehört. Die Haare fingen nämlich nach einiger Zeit - bei manchen früher, bei manchen später - sich an zu entgiften. Was mein Freund da also sah, waren die Seifenreste aus den letzten Jahren, die sich um die Haarstruktur banden, zu lösen und abzustoßen. Diese weißen Kügelchen waren ein eindeutiges Indiz für Entgiftungserscheinungen. Ich strahlte vor Freude und mein freund hielt mich bestimmt für komplett verrückt.

Problematisch war jedoch, dass sich durch die Frisuren der Talg nun auch an meinen Hinterkopf abgesetzt hatte und ich nicht durch die Haare fahren konnte, ohne dass sie ganz talgig waren. Dann fiel mir ein toller Tipp ein, den ich schon öfters gehört, aber um ehrlich zu sein, nicht wirklich ausgeführt hatte: die Haare morgens uns abends gründlich zu kämmen und den Talg so vom Ansatz in die Spitzen zu verteilen. Das Ergebnis fand ich viel besser als das Waschen mit Wasser, weil sie sich anfühlten, als hätte ich eine Haarkur gemacht.

Die dritte und vierte Woche

Schlimmer geht nimmer, meine Haare werden gar nicht mehr richtig sauber. Egal, ob ich sie mit Apfelessig oder nicht wasche - es macht gar keinen Unterschied mehr. Ich habe eher das Gefühl, dass es besser ist sie nicht mehr zu waschen, denn auch eine Dusche nur mit klaren Wasser, verschlimmert den Zustand nur noch und ich bin ehrlich gesagt so kurz davor meine Haare wieder mit Shampoo zu waschen. Denn ich habe es so satt mir eine Frisur morgens einfallen zu lassen, die es so wirken lässt, als wäre kein Zentimeter dicker Talg auf meinen Haaren. Außerdem riechen sie sehr intensiv nach Talg und wenn sie nass waren, wie nasser Hund. Das einzige, was mich tatsächlich nicht aufgeben lässt, ist ein anderes Gefühl: ich mag es nicht mehr, wenn sie so ganz fluffig sind, sondern mag es wie griffig und glatt sie sich anfühlen. Außerdem fühlen sie sich an wie meine Haare. Meine echten Haare und nicht die durch viele Silikone, Parabene und was sonst noch alles in den Shampoos enthalten ist, geformten Haare.

Umstellung auf No Poo mit alternativen Haarwaschmitteln

Nach meinen Entgiftungsmonat war ich mehr als bereit mich auf ein natürliches Shampoo umzustellen, vor allem weil ich das Gefühl hatte, am Ende der Entgiftungskur angekommen zu sein und ein zufrieden stellendes Ergebnis erzielt zu haben: meine Haare waren komplett gesund.

Der zweite Monat

Meine ultimative Geheimwaffe heißt kämmen. Wenn du dich also auch zu einem No Poo Experiment hingerissen fühlst, dann kann ich dir nur empfehlen dir vorher einen super Kamm zu kaufen, der deine Allzweckwaffe im Kampf gegen Schmutz, Talg und Entgiftungserscheinungen deiner Haare sein wird. Anfänglich habe ich mich von YouTubern von einer Plastikbürste, wie den Tangle Teaser überzeugen lassen. Den hatte ich schließlich schon da. Nach einiger Zeit habe ich aber gemerkt, wie sensibel meine Kopfhaut in Wirklichkeit ist und dass das Kämmen mit der Plastikbürste zu Hautirritationen, sprich juckender Kopfhaut führt, weshalb ich mich noch einmal umorientiert habe und mir eine nachhaltige Wildschweinborstenbürste aus den Laden meines Vertrauens in Bremen gekauft habe. Mehr Infos über die perfekte Bürste bekommst du hier. Kurz gesagt, sind Bürsten von Kost Kamm* und Dr. Dittmar* Seitdem kämme ich meine Haare jeden Morgen und Abend sehr ausgiebig, 100 Bürstenstriche am Tag. Klingt verrückt, aber es hilft tatsächlich.

Außerdem experimentiere ich nach meiner einmonatigen Entgiftungskur nun mit natürlichen Seifen und Shampoos. Dazu hatte ich zunächst ein Schockerlebnis und zwar ist bei Lush nicht alles gleich automatisch Naturkosmetik, wenn man es mal ganz genau nimmt. Schaue also immer auf die Zutatenliste, ob beispielsweise Sodium Lauryl Sulfate, Tetrasodium Etidronate, Sodium Polyacrylate, Ethylhexyl Methoxycinnamate, Alpha-Isomethyl Ionone… enthalten sind. Das ist auch der Grund, warum du für die Shampoo Bars von Lush keine saure Riese durchführen musst, wie es bei Naturseifen üblich ist. Meine Wahl fiel auf eine Haarseife von Savon de Midi* und auch wenn sie anfänglich eine Wohltat für meine Haare war und außerdem kein Müll produziert, so blieben trotz saurer Rinse sehr sehr sehr viel Rückstände in den Haaren, was sie wiederum speckig wirken ließ. Dazu muss ich aber sagen, dass unsere Wasserqualität in Frankfurt zu wünschen übrig lässt und ich festgestellt habe, dass sobald ich woanders bin, wo die Wasserqualität besser ist, die Haarseife ganz wunderbar und ohne Rückstände zu hinterlassen, funktioniert.

Mein erster Gang zum Naturfriseur war dazu sehr aufschlussreich. Zum einen weil meine Haare von der lieben Friseurin als gesund diagnostiziert wurden - was mich so sehr freute - und zum anderen weil ich einen heißen Tipp bezüglich Naturshampoo bekommen haben: Khadi*. Der einzige Haken ist: es kommt aus Indien (weiter Transportweg) und es ist in Plastik verpackt. Ansonsten hat es alles, was man braucht: Naturkosmetik, Vegan, Tierversuchfrei, Ayurvedisch… Auf der Website bin ich dann auf ein FAQ gestoßen, wie Khadi trotz langen Transportweg auf Nachhaltigkeit achtet. Z.B. durch aufwendige Lagerhaltung und ausgleichende Förderprojekte. Über die Verpackung habe ich leider nichts gefunden, außer eine super Alternative: Haarwaschpulver, das in Metallverpackungen transportiert wird.

Fazit

Auf Reisen nehme ich immer noch gerne Haarseife mit, weil es praktisch zu verstauen ist und an Orten mit besserer Wasserqualität super funktioniert. Zuhause verwende ich sie auch noch regelmäßig, wasche sie aber 1 mal pro Monat mit dem Naturshampoo komplett aus.

Auch wenn meine Haarpflege noch nicht zu 100% nachhaltig ist, so verbuche ich doch einen kleinen Erfolg: ich verzichte jetzt erfolgreich auf Spülung, Haarkur, Haaröl, Sprühkur UND ganz wichtig Chemie. Bei einem bin ich mir jedoch sehr sicher: am Ende meiner Reise bin ich noch lange nicht.

 

Über mich

Schön, dass du hier bist!

Ich bin Sarah, lebe mit meinem Freund in Frankfurt und reise am liebsten nachhaltig. Auf meinem Blog findest du meine besten Tipps, Inspirationen für deine nächste Reise und meine ganz persönlichen Reiseberichte. 

Viel Spaß beim Lesen!

 

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No Poo- Das Selbstexperiment

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