Kolumne: Der positive Nebeneffekt von Minimalismus, DIY und Nachhaltigkeit

Meine Hauptintention für einen nachhaltigeren Lebensstil war der sogenannte Warm-Glow-Effekt. Das Gefühl etwas Wunderbares zu verändern, gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt zu tun und mit meinem Handeln etwas Größeres zu bewegen. Schon erreichten mich die ersten Kritiker. Warm-Glow…. reicht das denn aus, um etwas zu bewegen und überhaupt etwas verändern kann man doch eh nicht mehr. Der Klimawandel ist nicht mit ein bisschen Müllsparen und selbstgemachten Hygieneartikeln aufzuhalten. Ein Tropfen auf den heißen Stein also. Tja, ihr Lieben, was bringt uns das ganze also, wenn die Welt so schlecht ist?

Da ich nicht nur auf Reisen auf Nachhaltigkeit achte, sondern Nachhaltigkeit mein täglicher Begleiter ist, kristallisieren sich so viele tolle Nebeneffekte heraus, die über den Warm-Glow-Effekt hinaus gehen. Diese positiven Nebeneffekte geben mir so viel mehr Lebensqualität und Zufriedenheit, dass Nachhaltigkeit nicht mehr etwas ist, was ich für die Menschheit mache, sondern schlicht und einfach für mich.

Alles begann vor etwa 3 Jahren, als ich mit Backpack und Wanderschuhen bewaffnet tagelang durch das buchstäbliche Nichts Neuseelands wanderte. Da ich mich anfängliche mit meinem Gepäck maßlos überschätzt habe und dementsprechend rigoros aussortieren musste, wurde mir erst so richtig bewusst, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht. Zurück in meiner 36 qm Bude in Hamburg entdeckte ich so viel Kram wieder, welchen ich total vergessen habe. Die nächsten Tage war ich auf Ebay Kleinanzeigen, Flohmärkten und Kleiderkreisel unterwegs. Denn irgendwie schien ich den ganzen Krempel nicht mehr gebrauchen zu können. Er schien mich schier zu überfordern. Zwei darauf folgenden Umzügen und noch größeren Ausmist-Aktionen später schrumpfte meinen Besitz erheblich zusammen und stellte mich vor einer weiteren Herausforderung: wie brachte ich es fertig nicht mehr so viel anzuschaffen? Zauberworte wie Digitalisierung, Capsule Wardrobe und Upcycling sind immer noch aktuelle Projekte, die ich in BWL-Sprache ausgedrückt immer noch optimiere.

Doch die Auswirkungen sind so positiv und zufriedenstellend, dass ich sie einfach teilen muss. Denn irgendwann hat bei mir eine Art Entmachtung des Konsumwahns stattgefunden und überraschend stellte ich fest, dass ich kaum noch Ambitionen hatte neue materielle Dinge anzuschaffen, was sich wiederum positiv auf meine Ausgaben auswirkte. Weniger Ausgaben, mehr Geld fürs Reisen. Das ist doch mal eine Motivation oder? Also, dachte ich mir, wenn man Krempel ausmisten kann, warum dann nicht auch die Lebenshaltungskosten. Sprich, Abos überdenken, Handyverträge auf Prepaid degradieren u.s.w. Ist es nicht erstaunlich, wie viel wir für Dinge ausgeben, die wir angeblich unbedingt brauchen, aber nach einer kleinen Pause davon nicht mehr vermisse. Wie einen sehr guten Handyempfang oder gewissen Abos. Mein “Leben” kostet mittlerweile so wenig, dass ich Anfang April den wohl größten Schritt wagen konnte und zwar einen Teilzeit-Job anzunehmen und dadurch mehr Zeit für meine Hobbys habe. Diese Zufriedenheit, die sich durch diesen Schritt bei mir derzeitig einstellt, ist unbeschreiblich schön und macht mich unglaublich glücklich.

Natürlich ist der minimale Lebensstil nicht für jeden etwas und auch sonst, weiß ich den Luxus, Teilzeit zu arbeiten sehr zu schätzen. Dennoch kann ich nur jedem raten zu überdenken und zu testen, was man wirklich zum Leben braucht. Schließlich werden wir regelmäßig von den Medien beschwatzt: kauf mich, ich mache dich glücklich. Die Frage ist nur wie lange. Es lohnt sich genauer hinzuschauen und zu hinterfragen. Außerdem heißt Minimalismus nicht Verzicht. Im Gegenteil, ich gönne mir so viel mehr von dem, was mich glücklich macht - z.B. gutes Essen, Zeit für mich und zum Reisen - wie nie zuvor.

Apropos, mein aktuelles Lieblingsthema ist Do It Yourself. DIY Waschmittel, DIY Kosmetika und DIY Nahrungsmittel, welche auf keiner meiner Reisen fehlen dürfen. Selber machen statt kaufen. Auch hier erntete ich großes Gestöhne: oh neeee, selber machen? Dazu habe ich keine Zeit. Das ist viel zu aufwändig und kompliziert. Der Warm-Glow-Effekt resultierend aus Zero Waste, Nachhaltigkeit und Gesundheit scheint auch hier nicht den Aufwand zu besiegen. Lass dir aber eines gesagt sein: wir - mein Freund und ich - sparen so viel Geld und zwar etwa die Hälfte von unseren üblichen Ausgaben für Kosmetika, Hygieneartikeln, Haushaltsmitteln, Lebensmitteln und was sonst alles gebraucht wird. Außerdem wissen wir jetzt immer 100% was drin ist, was ich persönlich als Neurodermitikerin ganz wichtig finde. Wie viel wir aber sparen ist mir aber erst ganz deutlich bewusst geworden, als wir für unseren 1 1/2 wöchentlichen Einkauf im Supermarkt für sage und schreibe 50€ statt unseren gewohnten 80€ ausgaben. Mittlerweile kaufen wir sogar 1/3 unseres Einkaufs im Bio-Laden ein und ja, dass stemme ich mit einen Teilzeit-Job. Denn mein Freund und ich tragen gleich viel zu unsere Haushaltskasse bei. Mit guter Planung, Organisation und ein wenig Aufwand - der übrigens enorm viel Spaß macht - ist das möglich.

Mein persönliches Fazit ist also: Nachhaltigkeit hilft nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Portemonnaie und trägt noch mehr zur eigenen Lebensqualität bei. Der Minimalismus kann zu weniger Kosten und mehr Zeit für die wichtigeren Dinge verhelfen. Durch DIY Produkte gewinnt man mehr Kontrolle über die Inhaltsstoffe und konsumiert weniger Chemie, was einen großen Effekt auf die Gesundheit hat. Außerdem spart man mit eigen hergestellten Waschmittel oder gesunden Snacks wiederum Geld für Dinge, die uns wirklich glücklich machen. Und dann gibt es da noch den Warm-Glow-Effekt…