Zero Waste auf Reisen

Wir waren neulich auf Helgoland, um die brütende Meute “Tölpel” zu beobachten. Zwischen Gekreische und Gerangel entdeckten wir ziemlich schnell Plastikteile in den Schnäbeln der Tiere, die sie für den Nestbau gesammelt haben. Dass zu viel Plastikmüll produziert wird und das Schädlich für die Umwelt ist, sieht und hört man überall. Mikroplastik in Fischbäuchen nachgewiesen, Meeresbewohner, die sich in Plastik verfangen und elendig sterben…. Doch es ist eine ganz andere Hausnummer, wenn man direkt Vorort mit eigenen Augen die Auswirkungen sieht und vor allem die Tiere können am allerwenigsten für unsere Konsumsucht.

Unseren ganz persönlichen Kampf gegen Plastik führen wir schon seit einigen Monaten und waren sehr erstaunt, wie einfach und schnell man Plastik sparen kann. Angefangen von Obst- und Gemüsenetze, die bei keinen Einkauf mehr fehlen dürfen, einzelne Lebensmittel wie Aufstriche lieber gleich selber machen, Milch und co im recyclebaren Glasbehältern einkaufen… die Liste ist lang mit Dingen, die man direkt tun kann und noch nicht einmal den Einkauf im Bioladen beinhalten. Davon waren wir so begeistert, dass wir nun einen Schritt weiter gehen und versuchen auch weniger Müll von anderen Ressourcen zu verbrauchen. Also, Zero Waste zu leben. Dabei geht es hauptsächlich um Müll, der nicht biologisch abbaubar ist. Unsere Devise ist es: eine große Veränderung liegt im Kleinen.

Doch die wirkliche Herausforderung liegt darin, auch Zero Waste auf Reisen zu leben. Faule Ausreden wie: “Ach, wir sind doch im Urlaub und gönnen uns mal so richtig.” gelten hier nicht. Unsere ersten Zero Waste auf Reisen Erfahrungen mit praktischen Tipps zum direkt Umsetzen gibt es jetzt für dich:

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht. Ich würde dir jedoch nichts empfehlen, wovon ich selber nicht überzeugt bin. 


Essen

Auswärts essen oder selber kochen? Beides stellt dich im Urlaub vor ein paar Zero Waste Herausforderungen. In unserem letzten Urlaub sind wir den ersten Abend spontan losgezogen und haben schnelle eine gemütliche Pizzeria entdeckt. Was wir jedoch zu spät bemerkten, dass zu den Pizzen Plastikbesteck gereicht wird, welches so wunderbar unter der Pizza drapiert wurde, dass man es wegschmeißen musste - egal ob benutzt oder unbenutzt. Neben den offensichtlichen “Müll” wie Plastikgeschirr, entsteht auch in der Küche Müll. Zwar nicht so viel wie durch einen einzelnen High Waste Einkauf, weil viele Lebensmittel in größeren Mengen eingekauft werden und somit weniger Verpackungsmüll entsteht. Übrigens die Unverpacktläden setzen auf eine ähnliche Strategie, weil in unserer Gesellschaft ein komplettes Zero Waste Konzept so in den Rahmen nur bedingt möglich ist. Dennoch solltest du dir das lokal vorher genau anschauen und dir folgende Fragen vorher beantworten können:

  • ist es ökologisch?

  • kocht das Restaurant regional / saisonal?

  • wo werden die Produkte eingekauft?

Wenn wir nach einem Restaurant suchen, dann schauen wir meistens auf TripAdvisor oder in der App Happy Cow nach und vertrauen dann ganz auf unser Bauchgefühl.

Die beste Kontrolle über deinen Müllverbrauch bekommst du, wenn du selber kochst. In längeren Urlauben buchen wir meistens eine Ferienwohnung mit Küche zum selber kochen. Um dir eine Übersicht zu verschaffen, schaue am besten beim nächsten Supermarkt wie es in der Region mit dem Plastikverbrauch aussieht und was möglich ist. So sammelst du am besten Inspirationen. Eine weitere tolle Idee ist dir Grundnahrungsmittel wie Nudeln oder Reis, die meistens in Plastik verpackt sind, selber mitzunehmen.

Übrigens auch in Cafés kannst du Müll fasten, indem du immer mit einer kleinen Zuckerdose oder Milchflasche ausgestattet bist und so Müll für Zucker und Milch sparst.

Snacks

Generell sind wir den ganzen Tag Unterwegs und statten uns wohl wissend mit genügend Snacks aus. Ist der Bauch leer, entsteht meist eine ganz seltsame Stimmung, die wir lieber umgehen. Wenn du die Gegebenheiten in den Supermärkten deines Reiselandes nicht kennst, kannst du Snacks, wie Nüsse, Müsliriegel u.s.w. vorher mitnehmen oder selber machen. Auf die Weise überbrückst du die ersten Tage und hast du direkt einen Behälter dabei, falls du Reste vom Mittagessen zum nächsten Tagesausflug mitnehmen möchtest oder etwas für den Strand vorbereitest. Bis die Vorräte zur Neige gehen, kannst du dich Vorort schon einmal umsehen. Wenn wir nichts brauchbares finden, greifen wir sehr gerne auch auf Obst oder Gemüse als Snack zurück. Übrigens unsere Lieblingsbehälter sind von Eco Brotbox*, welche auch eine tolle Auswahl für Snackboxen oder Suppenbehälter haben.

Obst und Gemüse

Für einen Tagesausflug, einen Strandtag oder einfach so zwischendurch zum snacken essen wir auf Reise sehr viel Obst oder Gemüse. Auch kochen wir gerne selber frisch. Sowieso besteht der größte Teil unseres Einkaufes aus Obst und Gemüse. Deshalb darf in einem Zero Waste - Suvival- Kit auf Reisen keine Obst- und Gemüsenetze* fehlen. Gemüsenetze kannst du so gut wie in jedem Bio-Supermarkt, wie auch bei Rewe oder Edeka kaufen. Hier achten wir ganz bewusst auf die Herstellung und ob das Netz mit einem Code ausgestattet ist, der das Eigengewicht des Beutels angibt. Kassierer können dann ganz bequem den Code scannen und das Gewicht des Netzes automatisch abziehen. Für ganz Kreative kann ich auch empfehlen ein Obst- und Gemüsenetz selber zu machen. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch günstiger. Anleitungen findest du hier. Alternativ legen wir auch unser Obst und Gemüse lose in den Einkaufswagen - schließlich waschen wir alles Zuhause sowieso gründlich nochmal ab. Je nachdem wo du Urlaub machst, gibt es mal mehr mal weniger Angebote das Obst und Gemüse ohne Plastikverpackung zu kaufen. Deshalb halten wir immer gerne Ausschau nach Obst- und Gemüseständen am Straßenrand oder erkundigen uns nach einen Wochenmarkt. Das hat vor allem zwei Vorteile: 1. Du lernst die regionale Küche und so das Land besser kennen und 2. Isst du regional und saisonal was doppelt nachhaltig ist.


 
 

Trinken

Was für Deutschland schon Normalität ist, gibt es nicht auch unbedingt im Ausland zu finden: die Pfandflasche. Unverzichtbar, wenn du in Ländern oder Gebieten mit schlechter Frischwasseraufbereitung deinen täglichen Wasserbedarf stillen möchtest. Blöd nur, wenn du bei 2l Wasser pro Tag direkt zum Umweltsünder wirst. Ein wichtiges To Do für dich ist es also, dich vor der Reise nach der Wasserqualität zu erkunden. Denn leider ist die Wasseraufbereitung nicht überall so gut wie in Deutschland. Natürlich, würde man in Afrika oder Asien nie auf die Idee kommen Leitungswasser zu trinken ohne sich vorher zu beim Auswärtigen Amt nach Warnungen zu erkundigen, aber auch in europäischen Ländern ist eine super Wasserqualität noch lange kein Standard. Im Wasser können neben Bakterien, auch Viren und Parasiten enthalten sein, die unter anderem Magen-Darm-Erkrankungen, Vergiftungen oder im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung zur Folge haben kann. Mehr Informationen zum Thema Wasserqualität im Ausland findest du hier.

Für den Fall, dass du Urlaub in einen Gebiet mit super Frischwasseraufbereitung machst, kannst du ganz einfach auf die gute alte Trinkflasche zum Auffüllen verwenden. Zum Reisen empfehle ich dir eine gute Edelstahl Trinkflasche, weil die leichter ist und es so angenehmer zu reisen ist. Mein bisheriger Favorit ist die Trinkflasche von Eco Brotbox*, weil sie nicht nur praktisch ist, sondern auch unter fairen Bedingungen produziert wird. Außerdem kommen keine ungewollten Substanzen in dein Trinkwasser wie etwa Weichmacher aus Plastik.

Was machst du jetzt aber, wenn das Trinkwasser verunreinigt ist? Je nach Verunreinigungsgrad kannst du das Wasser vorher abkochen. Durch den Vorgang tötest du potentielle Krankheitserreger ab und du kannst dir gleich einen Vorrat an Trinkwasser anlegen. Wenn du aber keine Möglichkeit hast das Wasser abzukochen, dann helfen - je nach Land und Wasserqualität - Trinkflaschen mit speziellen Filtersystem oder Tabletten zur Wasserreinigung. Trinkflaschen mit speziellen Filter findest du hier*, hier* und hier*.

Denke immer daran, dass deine Gesundheit an allererster Stelle steht und du kein Wasser trinken solltest, wenn du dir nicht 100% sicher bist. Um Müll zu sparen kannst du immer Wasser in Kanistern kaufen und es dir in deine Trinkflasche umfüllen. Das ist zwar nicht ganz Zero Waste, aber macht dennoch einen großen Unterschied.

Hier sind die Länder mit einem Pfandsystem:

  • Australien

  • Dänemark

  • Deutschland

  • Estland

  • Finnland

  • Kroatien

  • Litauen

  • Niederlande

  • Norwegen

  • Österreich

  • Schweden

  • Schweiz

  • Bestimmte Staaten in den USA


Kosmetik- & Hygieneartikel

Ein ganz kurzen Abschnitt würde ich gerne noch den Kosmetik- und Hygieneartikeln widmen, weil in Hotels gerne kleine Plastikpröbchen bereitgestellt werden und weil wir dazu neigen solche vor dem Urlaub zu kaufen, weil sie so schön klein und praktisch sind. Tatsächlich brauchen wir gar nicht so viele Produkte wie wir immer denken und im letzten Urlaub habe ich genau das erprobt: bewaffnet mit einer Haarseife, die ich sowohl für die Haare als auch für den Körper verwendet habe. Die Rinse, um Seifenreste aus den Haaren zu waschen, bestand dabei aus einer Zitrone, die ich plastikfrei im Supermarkt bekommen habe. Zahnpasta bekommst du in Form von Tabletten, die ökologischer sind und außerdem müllfrei in Deutschland erworben werden können. Zahnbürsten aus Bambus* sind ökologisch abbaubar und mittlerweile fast überall erhältlich. Wer auf Make Up und Co nicht verzichten mag, kann nach super DIY Rezepten suchen, wie für Puder, Sonnencreme, Mascara, Deo… Einwegrasierer verwende ich schon ewig nicht mehr, weil ich vor Jahren auf die kluge Idee gekommen bin mit einem Elektrorasierer viel mehr Geld zu sparen. Mittlerweile gibt es Rasierhobel*, die keinen Plastikmüll produzieren, jedoch auswechselbare Klingen hat. Ein weiteres Thema, dass mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist der Verbrauch von Klopapier. Hier gibt eine total tolle Alternative von HappyPo* und zwar eine mobile Po-Dusche, die hygienischer ist als Klopapier und dazu keinen Müll produziert. Außerdem finde ich die Po-Dusche besonders auf Wanderungen im Busch super praktisch. Zu guter letzt: Damenhygieneartikel. Muss es denn die Damenbinde oder der Tampon sein? Sehr empfehlen kann ich die Menstruationstasse aus medizinischen Silikon wie die von Divine*. Auch darauf bin ich während Studentenzeiten gekommen, weil ich Geld sparen wollte. Mittlerweile ist die Menstruationstasse nicht mehr wegzudenken, weil sie viel hygienischer ist und außerdem nicht ständig gewechselt werden muss. Dadurch war es auch nicht so kompliziert sie auf mehrtägigen Wanderrouten anzuwenden.